
29.01.2012, 13:50 Uhr
Der Golfstrom hat sich zwei- bis dreimal so rasch erwärmt wie der übrige Atlantische Ozean. Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar) vermuten, dass der Klimawandel die Wasserzirkulation der Ozeane verändert. Dadurch ließen sich die Temperaturunterschiede erklären. So habe sich der Golfstrom im Laufe der vergangenen 100 Jahre um etwa 1,2 Grad Celsius erwärmt, der Atlantik um 0,4 Grad, berichtet das Fachjournal "Nature Climate Change".
Wie das Zentrum meldete, trifft das Phänomen auch auf andere schnelle Randströmungen in anderen Ozeanen zu. Das gelte für Strömungen vor Japan und Australien ebenso wie für solche vor Brasilien und dem südlichen Afrika, sagte Martin Visbeck vom Geomar.
Der Golfstrom ist eine der stärksten Meeresströmungen. Die von ihm von Amerika nach Europa transportierte Wärme ist für das vergleichsweise milde Klima in Mittel- und Nordeuropa verantwortlich. Die warme Strömung hat ihren Ursprung im Golf von Mexiko und transportiert bis zu 100 Millionen Kubikmeter Wasser je Sekunde an der amerikanischen Ostküste entlang nach Norden.
Die Forschergruppe um Visbeck hatte untersucht, inwieweit sich solche warmen Strömungen im Laufe des vergangenen Jahrhunderts verändert haben.
Das Ergebnis: Die Erwärmung dieser Stromsysteme fällt besonders stark aus und geht mit einer leichten, polwärtigen Verlagerung ein. Dies könne auch Konsequenzen für die Aufnahme von Kohlendioxid im Ozean haben, die bei höheren Temperaturen geringer ausfällt, hieß es.
"Wir haben insgesamt acht verschiedene globale Beobachtungsdatensätze der Temperatur angeschaut sowie Meeresströmungen mit Hilfe eines hochauflösenden Ozeanmodells unter Nutzung von Beobachtungsdaten simuliert", erläuterte Visbeck. "Mit dieser Studie konnten wir zeigen, dass alle westlichen Randstromregionen über die letzten 100 Jahre eine deutlich stärkere Erwärmung als das globale Mittel zeigen." Die Gründe dafür seien noch nicht vollständig klar.
"Alles deutet auf eine Veränderung der globalen Ozeanzirkulation durch den Klimawandel hin mit expandierenden Subtropen", äußerte Visbeck. Zur weiteren Ursachenforschung sagte er: "Der Patient Ozean braucht eine Art Langzeit-EKG, denn mit sporadischen Messungen werden wir die Ursache nur sehr schwer finden".
Quelle: dpa
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