WetterNachrichten

...
Drucken Drucken

"Das Problem an der Wurzel packen"

22.09.2009, 17:46 Uhr

Stefan Rahmstorf warnt vor dem Klimawandel (Foto: dpa)

Stefan Rahmstorf warnt vor dem Klimawandel (Foto: dpa)

Stefan Rahmstorf ist Professor für die Physik der Ozeane in Potsdam und einer der führenden Klimaforscher Deutschlands. Er war maßgeblich am Weltklimabericht beteiligt und gehört zum Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung zu Globalen Umweltveränderungen. Wetter.info sprach mit Rahmstorf über die Zukunft des Weltklimas.

Herr Rahmstorf, der letzte Weltklimabericht war alarmierend. Was hat sich seitdem getan?

Die neuesten Forschungsergebnisse übertreffen sogar die Befürchtungen des IPCC-Berichtes von 2007. Wenn wir beim Klimaschutz nicht erfolgreich sind, werden wir weit über zwei Grad globale Erwärmung hinausschießen. Dann landen wir bei drei bis vier Grad, manche Szenarien reichen bis sechs Grad Erwärmung. Die Welt wird dann vollkommen anders aussehen, als wir sie kennen. Wir müssen uns vorstellen: Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit war es global gesehen nur fünf bis sechs Grad kälter als jetzt. Wenn wir also jetzt über 4 oder 5 Grad reden, ist das eine riesige Temperaturänderung.

Forschungsergebnisse zum WeltklimaDer IPCC-Bericht

Was heißt das konkret? Wie würde das Leben der Menschen in Zukunft aussehen?

Eine Konsequenz wäre beispielsweise der Anstieg des Meeresspiegels, der sich dann auf jeden Fall in mehreren Metern messen wird. Damit werden wir viele unserer großen Küstenstädte verlieren, denn sie lassen sich gegen einen solchen Meeresspiegelanstieg einfach nicht verteidigen.

Ein anderes Problem ist die Ernährung der Menschheit. Zusätzlich zum Klimawandel wächst ja auch noch die Weltbevölkerung. Wir sind ohnehin an der Grenze dessen, wen wir noch ernähren können. Da treffen uns die Veränderungen durch den Klimawandel besonders hart. Wir beobachten bereits, dass Dürren zunehmen - die von starker Dürre betroffene Landfläche hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt. Das gefährdet natürlich die ohnehin bereits schwierige Ernährungssituation erheblich - gerade in den wärmeren Ländern.

Verlaufen diesen Veränderungen langsam und genau berechenbar?

Nein, es gibt eine Reihe von Prozessen im Klimasystem, die sich nur sehr schwer berechnen lassen. Wir nennen so etwas "Tipping Elements" - das sind Prozesse, die man bei Überschreiten einer kritischen Schwelle unaufhaltsam ins Rollen bringt. Dazu gehört zum Beispiel die Stabilität der großen Eismassen in Grönland, aber auch in der Westantarktis. Diese Eismassen könnten so ins Rutschen kommen, dass ein Zerfallsprozess einsetzt, den wir dann nicht mehr aufhalten können.

Ein anderes Beispiel ist die Gefahr, dass der Amazonasregenwald verdorrt, einfach weil die Belastungen zu groß werden. Er könnte dann in Flammen aufgehen - ein riesiger Großflächenbrand, der den Treibhauseffekt dann wiederum verstärken würde. Wie das aussehen kann, sehen wir an den extremen Buschfeuern, die wir gerade in Australien erlebt haben. Dort gab es eine Hitzewelle mit Temperaturen bis 47 Grad, so hoch wie noch nie zuvor in der Geschichte Australiens. Und diese heißeren Bedingungen sind eben auch die Vorraussetzungen dafür, dass Waldbrände außer Kontrolle geraten können.

Ein weiteres solches Kippelement im Klimasystem sind die Meeresströme, insbesondere im Atlantik. Wir wissen aus der Erdgeschichte, dass die recht instabil gewesen sind. In den letzten 100.000 Jahren sind sie immer wieder umgekippt und haben in kürzester Zeit massive regionale Klimaveränderungen verursacht.

Was müssen wir tun, um diese Entwicklung aufzuhalten?

Es ist eigentlich schon lange bekannt, wie wir das Klima in den Griff kriegen können. Wir müssen das Problem an der Wurzel packen und den Ausstoß der Treibhausgase stark herunter fahren. Bis 2050 müssten wir die Emissionen weltweit mindestens halbieren.

Es ist auch längst detailliert gezeigt worden, wie man das machen kann: Zum einen durch eine wesentlich erhöhte Energieeffizienz. Wir gehen immer noch sehr verschwenderisch mit Energie um. Und zum zweiten durch einen Umstieg auf erneuerbare Energien im Laufe der nächsten Jahrzehnte. Das heißt aktuell erst einmal Windenergie, aber längerfristig wird dann die Sonnenenergie die entscheidende Rolle spielen. Sonnenenergie ist praktisch unbegrenzt vorhanden; die Sonne strahlt 8000-mal so viel Energie zur Erde wie die gesamte Menschheit verbraucht.

Was meinen Sie: Werden die Menschen es schaffen, den Klimawandel stoppen?

Ich mache keine politischen Prognosen. Als Wissenschaftler ist es nicht mein Job, optimistisch oder pessimistisch zu sein. Meine Aufgabe ist einfach, die Dinge zu erforschen und möglichst klar und sachlich zu benennen.

Das Interview führte Ulrich Weih in Bremerhaven.

 

Video: Das Wetter für die nächsten Tage

Anzeige
Die wetter.info-App
wetter.info auf dem Smartphone
Die wetter.info-App (Quelle: dpa)

Mit der wetter.info-App sind Sie jederzeit über das Wetter im Bilde. Die neuesten Wetterdaten für tausende Orte, jederzeit und überall. Und das Niederschlagsradar verrät Ihnen, ob Sie einen Regenschirm brauchen.Die wetter.info-App


Ihre Wetterbilder

Werden Sie Follower!
wetter.info zwitschert bei twitter

Bleiben Sie auf dem Laufenden - wetter.info zwitschert bei twitter.Werden Sie Follower!


wetter.info für Ihre Webseite
Holen Sie sich das Wetter auf Ihre Webseiten

Aktuelle Wetter- vorhersagen für Ihre Webseiten, Blogs & Co.Wetter-Gadgets


wetter.info: Präzise Prognosen vom Testsieger
Wissen wie das Wetter wird: Der Testsieger wetter.info liefert genaueste Prognosen (Quelle: t-online.de)

wetter.info liefert alle Infos rund um Wetter, Klima und Umwelt.Mehr zu wetter.info


© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige