
04.01.2012, 09:04 Uhr | mj
Aufräumarbeiten in Papenburg: Der Sturm der letzten Nacht hat das Dach der Ems-Zeitung weggerissen (Quelle: dapd)
Das erste Sturmtief des Jahres ist in der Nacht über Deutschland hinweggefegt und hat Polizei und Feuerwehr im Land viel Arbeit gemacht. Glücklicherweise blieb es aber oft bei umgestürzten Bäumen oder herabfallenden Dachziegeln. Es gab aber auch einige Verletzte. Heftiger wütete der Sturm in anderen Teilen Europas - doch schon am Donnerstag droht auch bei uns ein neuer, noch stärkerer Sturm.
Am schlimmsten betroffen war der Norden Deutschlands. Im niedersächsischen Voltlage ist ein 19-Jähriger mit seinem Auto von einer Windböe gepackt und seitlich gegen einen Baum geschleudert worden, teilte die Polizei Bersenbrück mit. Der junge Mann kam ins Krankenhaus, am Wagen entstand ein Totalschaden.
Die Hamburger Feuerwehr meldete 36 Einsätze, meist wegen umgeknickte Bäume. Die Feuerwehr in Bremen musste mit 25 Männern anrücken, um eine 20 Meter hohe entwurzelte Tanne zu entfernen. Sie war auf ein Hausdach gestürzt. Drei weitere Bäume stürzten auf Autos. In Burgdorf bei Hannover knickte heftiger Wind den Flügel einer Windkraftanlage ab.
Auch in der Harzregion Sachsen-Anhalts hatten die Beamten dank Sturmtief "Ulli" mehr zu tun. Einige Straßen seien immer noch wegen umgestürzter Bäume gesperrt, sagte ein Sprecher der Polizei Magdeburg. Auf der Bundesstraße zwischen Wernigerode und Ilsenburg sei ein LKW-Anhänger umgestürzt. Im Salzlandkreis sorgte ein gerissenes Kabel für einen Stromausfall.
Im niedersächsischen Papenburg riss das Sturmtief das Dach vom Verlagsgebäude der "Ems-Zeitung". Gebäudeteile und ein Baum stürzten auf die Straße. "Verletzt wurde zum Glück niemand", sagte der Redaktionsleiter der Zeitung.
Im nordrhein-westfälischen Ennepetal (Ennepe-Ruhr-Kreis) mussten am Dienstagabend rund 290 Menschen aus einem Regionalzug befreit worden, nachdem ein umgestürzter Baum das Gleis versperrt und eine Weiterfahrt unmöglich gemacht hatte.
Im Raum Aachen habe es wetterbedingt rund 30 Einsätze gegeben, sagte eine Polizeisprecherin. Ein Mensch soll von einer Satellitenschüssel getroffen worden sein. Wie stark er verletzt wurde, ist noch unklar.
Eine Windböe ließ im nordrhein-westfälischen Herzebrock-Clarholz einen Lkw umkippen. Der 53-jährige Fahrer geriet im Sturm mit seinem Fahrzeug ins Schleudern und kippte mit der Beifahrerseite quer auf die Straße. Der Fahrer blieb unverletzt.
In Wuppertal krachte ein rund 30 Meter hoher Baum in einen Dachstuhl. Der Baum wurde komplett entwurzelt. Die Stadt Dortmund warnte davor, den Stadtwald zu betreten. "Windwurf oder Windbruch bei Bäumen können nicht ausgeschlossen werden", warnte das Umweltamt.
Bei unseren Nachbarn ging es beim Wetter noch heftiger zur Sache. Heftige Stürme haben am Dienstag in weiten Teilen Schottlands, Englands, Wales und Nordirlands teilweise schwere Schäden angerichtet. In der englischen Grafschaft Kent starb ein Mann, nachdem ein Baum auf seinen Kleinbus gefallen war. Auf einem Schiff im Ärmelkanal kam in schwerer See ebenfalls ein Mann ums Leben.
Tausende Menschen waren am Abend noch ohne Strom. Auch der Zugverkehr blieb den ganzen Tag über eingeschränkt. Brücken mussten geschlossen werden. Am Mittwoch wird mit weiteren, jedoch weniger heftigen Stürmen gerechnet.
Im Norden Frankreichs verursachten heftige Winde am Dienstag Stromausfälle: 13.000 Haushalte in der Region Nord-Pas-de-Calais waren zeitweise ohne Elektrizität, wie ein Netzbetreibers mitteilte. Die Feuerwehr musste wegen umgestürzter Bäumen oder Stromleitungen zu zahlreichen Einsätzen ausrücken.
Am Mittwoch gönnt uns das Wetter eine leichte Verschnaufpause, es bleibt aber weiterhin windig bis stürmisch. Im Norden sind noch Windgeschwindigkeiten von 80 bis 90 Kilometer pro Stunde möglich, an den Küsten sind es bis zu 100 Kilometer pro Stunde.
Am Donnerstag ist dann aber gleich das nächste heftige Sturmfeld zur Stelle - und das hat es in sich. "Ein Orkantief zieht von Schottland in den Süden Skandinaviens, dadurch nehmen bei uns die Druckunterschiede zu", erklärte Lars Dahlstrom aus der Meteomedia Unwetterzentrale im Gespräch mit wetter.info. Von der Nordsee bis zu den Alpen gibt es dann verbreitet Schwere Sturmböen der Windstärke 10 - bis zu 100 Kilometer pro Stunde kann der Wind im Flachland erreichen.
Auf den Bergen erreicht der Wind volle Orkanstärke. "Das geht ordentlich zur Sache", so Dahlstrom. Dazu fällt viel Regen, in den Bergen oberhalb von 500 bis 700 Metern Schnee. Auch an der Nordsee erreicht der Wind Geschwindigkeiten von 100 bis 110 Kilometern pro Stunde. Vom ganz heftigen Wind verschont bleiben dagegen der Osten und Nordosten des Landes: Dort erwartet Dahlstrom höchstens Windstärken von 80 bis 85 Kilometern pro Stunde.
Quelle: dpa , dapd , wetter.info
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