
23.01.2012, 15:22 Uhr
Das Klimaziel der Europäischen Union, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren, ist offenbar leichter zu erreichen als bisher angenommen. Unter anderem die Wirtschaftskrise und Klimaschutzmaßnahmen aus früheren Jahren führten dazu, dass das Ziel "schon heute in Reichweite ist", heißt es in einem Entwurf für ein Papier aus dem Haus von EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard.
Das Papier soll im Februar öffentlich vorgestellt werden. Bis dahin sind Änderungen an dem Text möglich.
Die Treibhausgasemissionen konnten demnach schon 2010 - also zehn Jahre vor dem Zieljahr 2020 - um 14 Prozent gegenüber dem Vergleichsjahr 1990 gemindert werden. Dieser Fortschritt hat laut dem Papier allerdings paradoxerweise zur Folge, dass die Entwicklung und Durchsetzung von klimafreundlichen Technologien nicht so gut vorankommt wie erhofft. Hauptgrund: Der Rückgang der klimaschädlichen CO2-Emissionen hat die Preise für die sogenannten Verschmutzungszertifikate des europäischen Emissionshandels sinken lassen. Es ist damit für Unternehmen nicht mehr so teuer, weiter auf herkömmliche Technik wie Kohlekraft zu setzen.
Vor diesem Hintergrund spielt die Studie eine Verschärfung des Klimaziels auf 30 Prozent weniger Ausstoß durch, von denen 25 Prozent in der EU selbst erreicht werden müssten und weitere fünf Prozent durch Maßnahmen zum Beispiel in Entwicklungsländern. Dies wäre den vorläufigen Berechnungen zufolge bedeutend billiger als in früheren Szenarien angenommen, heißt es in dem Berichtsentwurf. Die 25-Prozent-Reduktion in der EU würde die Energieverbraucher bis 2020 demnach rund 70 Milliarden Euro kosten.
Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch begrüßte die vorab bekanntgewordene Studie und forderte die Bundesregierung auf, sich in Brüssel für das 30-Prozent-Ziel stark zu machen. "Die in Deutschland schon getätigten Investitionen der Firmen in Klimaschutztechnologien würden noch rentabler", erklärte die Organisation in Bonn.
Quelle: AFP
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