
13.04.2011, 15:43 Uhr
Viele bekannte Wetterexperten haben die Erklärung unterzeichnet (Foto: dpa)Bekannte Meteorologen wenden sich gegen langfristige Wettervorhersagen. Sie haben beim 6. Extremwetterkongress in Hamburg eine Erklärung unterzeichnet, in der sie empfehlen, auf detaillierte Aussagen über das Wetter der kommenden Jahreszeit zu verzichten. "Wir wollen die Seriosität unserer Wissenschaft erhalten, denn wenn solche unseriösen Vorhersagen auf dem Markt sind, wird unsere ganze Zunft in Sippenhaft genommen", sagte Sven Plöger vom Wetterdienst Meteomedia, einer der Autoren der "Hamburger Erklärung", im Gespräch mit wetter.info.
Den Anstoß für die Erklärung gaben laut Plöger die immer häufigeren langfristigen Wettervorhersagen in der Boulevardpresse. "Das hat in den letzten zwei bis drei Jahren zugenommen", so der Wetterexperte. Er habe schon Vorhersagen gesehen, in denen für drei bis vier Monate im Voraus für jeden einzelnen Tag die Temperatur und die Niederschläge aufgeführt waren. "Solche Vorhersagen suggerieren dem Leser etwas, das wir gar nicht leisten können", so Plöger.
Langfristige Prognosen für die kommenden Jahreszeiten seien ein Ziel in der Meteorologie. Man stehe dabei aber noch am Anfang der Entwicklung, heißt es in der Erklärung. Mit Hilfe von Großrechnern können heute erwartete Abweichungen von Mittelwerten und die Wahrscheinlichkeiten des Eintreffens vorhergesagt werden. "Solche Aussagen sind derzeit nur für Gebiete mit großer regionaler Ausdehnung möglich." So könne zum Beispiel für einen kommenden Juni vorhergesagt werden: "Mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent wird es in Süddeutschland im Juni kälter als im Mittel."
Deutlich genauere Aussagen für Wochen oder gar spezielle künftige Tage und für einzelne Orte seien meteorologisch und wissenschaftlich nicht haltbar. "Die Unterzeichner empfehlen daher, auf die Erstellung und Veröffentlichung von Prognosen zu verzichten, die der Öffentlichkeit den Eindruck vermitteln, man könne mit dem heutigen Stand der Wissenschaft detaillierte Aussagen über die kommende Jahreszeit treffen."
Plöger sieht die Verantwortung für seriöse Vorhersagen sowohl bei den Meteorologen als auch bei den Medien. "Wir müssen ganz deutlich sagen, wo die Grenzen unserer Wissenschaft liegen, aber die Medien müssen sich auch an das halten, was die Fachleute sagen", so der Meteorologe. "Die Erklärung übt da vielleicht eine Signalwirkung aus".
Was die Fortschritte bei langfristigen Wetterprognosen angeht, ist Plöger vorsichtig. "Beim Wetter spielen so viele Faktoren eine Rolle, dass es extrem schwierig zu berechnen ist." Es sei sehr schwer, das Wetter an einem bestimmten Tag länger als 15 Tage im Voraus zu kalkulieren. "Das werde ich selbst wohl nicht mehr erleben", so der Meteorologe. Die Berechnung allgemeiner Wettertrends - etwa, ob der Sommer eher zu warm oder zu nass wird - werde aber in den nächsten Jahren Fortschritte machen.
Die "Hamburger Erklärung" kann bis zum Ende des Kongresses am Freitag von den teilnehmenden Meteorologen unterschrieben werden. Der Mitautor Frank Böttcher wies darauf hin, dass es sich um die persönliche Meinungsäußerung der Unterzeichner handelt, die nicht zwingend die Haltung des jeweiligen Arbeitgebers oder der gesamten Redaktion widerspiegelt.
Quelle: dpa, wetter.info, mj
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