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Kältewelle: Hunderte Tote, Zehntausende eingeschneit

10.02.2012, 12:12 Uhr

Wie hier in einem Dorf nordöstlich der rumänischen Hauptstadt Bukarest, versinken weite Teile Osteuropas im Schnee (Quelle: dpa)

Wie hier in einem Dorf nordöstlich der rumänischen Hauptstadt Bukarest, versinken weite Teile Osteuropas im Schnee (Quelle: dpa)

Durch die eisige Kälte in Europa sind bereits mehr als 540 Menschen gestorben. Auch am Donnerstag machten teilweise heftige Schneefälle, eisige Stürme und Temperaturen tief unter dem Gefrierpunkt den Menschen zu schaffen. Zehntausende sind in Osteuropa von Schnee eingeschlossen. Quer durch den Kontinent froren wichtige Wasserstraßen zu. Auf der Donau kam der Schiffsverkehr nahezu zum Erliegen. Auch bei der Energieversorgung gibt es immer mehr Probleme.

Die ukrainischen Behörden geben seit Dienstag keine neuen Zahlen mehr heraus, bis dahin wurden 135 Kältetote gezählt. Polen meldete bis Donnerstag 77 Kältetote. Mehr als 50 weitere Menschen starben wegen defekter Öfen an Kohlenmonoxidvergiftungen oder verbrannten. In Rumänien starben 44 Menschen, in Bulgarien waren es 29.

70.000 Menschen stecken fest

In isolierten Dörfern in Serbien, Kroatien, Bosnien, Mazedonien und Montenegro sind mehr als 70.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. In der bosnischen Stadt Mostar waren rund 15.000 Haushalte am dritten Tag in Folge ohne Strom.

Rumänische Fernsehbilder zeigten Bewohner des im Osten gelegenen Dorfs Rubla, die verzweifelt Tunnel gruben, um sich aus ihren Häusern zu retten. Dutzende weitere Ortschaften hatten weder Strom noch Wasser.

Kälte behindert Stromversorgung

In Serbien stellen Temperaturen von bis zu minus 36 Grad die Energieversorgung vor immer größere Schwierigkeiten. Die derzeitige Nachfrage könne nicht mehr befriedigt werden, erklärte der staatliche Energieversorger am Donnerstag. Im Fernsehen forderten die Behörden die Bevölkerung deshalb auf, Strom zu sparen.

Die Minustemperaturen hätten auch eine erhebliche Drosselung der in Serbien weitverbreiteten Kohleförderung nötig gemacht, hieß es. Das Eis auf den Flüssen behindert zudem die Stromproduktion der Wasserkraftwerke.

Deutsches Reservekraftwerk am Netz

In Deutschland mussten die Betreiber der Stromnetze nach eigenen Angaben zum zweiten Mal in diesem Winter Reserve-Kraftwerke einschalten, um das Netz stabil zu halten. Der Eingriff erfolgte den Angaben zufolge nicht wegen Stromknappheit, sondern vorsorglich.

Bulgarien kündigte seinerseits an, wegen der Kälte ab Freitag keinen Strom mehr zu exportieren. Betroffen davon sind Serbien, Griechenland, Mazedonien und die Türkei. Auch für die kommenden Tage wird dort kein Ende der Kältewelle erwartet.

Eis legt Schifffahrt lahm

Die Schifffahrt auf der über 2800 Kilometer langen Donau, die durch zehn Länder fließt, war von Österreich bis zum Schwarzen Meer vollständig oder teilweise blockiert. Bis zu 90 Prozent der Wasseroberfläche seien von Eis bedeckt seien, teilten die jeweiligen Behörden mit.

Auch die Straße von Kertsch, eine Meerenge zwischen dem Asowschen Meer und dem Schwarzen Meer, war komplett vereist. Dort hingen nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzministeriums 126 Schiffe fest, darunter 120 ausländische.

Auch auf deutschen Flüssen und Kanälen machen Eisschollen der Schifffahrt zu schaffen, mehrere Kanäle wurden gesperrt. Auf der Mosel musste der Schiffsverkehr zwischen Koblenz und Trier wegen des Eises eingestellt werden. Auch vor der vorpommerschen Ostseeküste kam der Schiffsverkehr zum Erliegen.

Küstengewässer zugefroren

Östlich von Rügen hatten sich am Donnerstag nach starkem Nordost-Wind bis zu 1,50 Meter starke Eiswälle geschichtet und die Schifffahrt zum Erliegen gebracht. Die Schollen könnten von Eisbrechern nicht mehr geknackt werden, sagte der Chef der Revierzentrale. Auch die Ostfriesischen Inseln vor der Nordseeküste sind nur noch aus der Luft zu erreichen.


Quelle: rf , AFP , dapd

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