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"Andrea" stürzt Österreich ins Schneechaos

08.01.2012, 09:26 Uhr

Heftige Schneefälle und Lawinen blockieren in Österreich und der Schweiz sowohl den Straßen-, als auch den Zugverkehr (Quelle: AP)

Heftige Schneefälle und Lawinen blockieren in Österreich und der Schweiz sowohl den Straßen-, als auch den Zugverkehr (Quelle: AP)

Stürme und Schneefälle haben in der Schweiz und Österreich nicht nur Schäden angerichtet, sondern auch die Lawinengefahr erhöht. Am Sonntagmorgen meldete der Lawinendienst Bayern für die Werdenfelser Alpen oberhalb der Waldgrenze die zweihöchste Warnstufe vier. "Im übrigen bayerischen Alpenraum ist die Lawinengefahr oberhalb der Waldgrenze erheblich, unterhalb der Waldgrenze herrscht allgemein mäßige Lawinengefahr", teilte der Warndienst im Internet mit. Hangnahe Straßen und Wege könnten durch Lawinen verschüttet werden. Winterurlauber in einigen Skigebieten in Vorarlberg waren bereits eingeschneit. Das Sturmtief "Andrea" beschädigte Stromleitungen und legte zudem Bahnstrecken lahm.

Viele Autofahrer nutzten eine kurze Zeitspanne am Samstagnachmittag, als alle abgeschnittenen Wintersportorte Straßen für die Rückreise frei machten. Nach wenigen Stunden setzte aber wieder Schneefall ein. "Es kann durchaus sein, dass wieder gesperrt werden muss", sagte ein Sprecher des Nobelskiortes Lech am Arlberg.

Auf dem Arlberg waren seit Freitag 15.000 Urlauber eingeschneit. Der Bürgermeister von Lech, Ludwig Muxel, beruhigte: Für einige Tage seien ausreichend Vorräte vorhanden. Am Samstag wurde dann damit begonnen, Lawinen zu sprengen und Straßen zu öffnen. Unter anderem war auch das Tiroler Zillertal zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten.

Deutsche mit Hubschrauber ins Tal geflogen

Wegen akuter Lawinengefahr sind 52 deutsche Wintersportler am Samstag mit einem Helikopter von einer Berghütte in Österreich ins Tal geflogen worden. Die Gruppe aus Lindau am Bodensee hatte zwei Tage auf der Hütte bei Brand im westlichen Bundesland Vorarlberg festgesessen, sagte Hüttenwirt Thomas Beck.

Ein Hubschrauber des österreichischen Bundesheeres brachte die Jugendlichen und Erwachsenen in Sicherheit. Auch ein sieben Monate altes Baby war auf der Hütte. Die Stimmung war trotz der Wettersituation gut, sagte Beck: "Wir hatten genug zu essen".

Viel Verkehr auf den Autobahnen

Viele Deutsche nutzten die kurze Entspannung am Samstag, um rechtzeitig vor Ende der Ferien wieder nach Hause zu kommen. "Dementsprechend drängt es sich auf den Rückreisestrecken", sagte Harald Lasser, ein Sprecher des Autofahrerclubs ÖAMTC. Besonders im Arlbergtunnel und auf dem Fernpass in Tirol gab es Staus.

Im Bahnverkehr gibt es derweil weiter Probleme. Die Arlbergbahn sollte zwischen Ötztal und Bludenz mindestens bis Sonntagmittag gesperrt bleiben, wie die Österreichische Bundesbahn ÖBB mitteilte. Auf der Karwendelbahn war die Strecke von Scharnitz bis Mittenwald in Bayern wegen Lawinengefahr gesperrt. Auch der Abschnitt zwischen Reutte (Tirol) und Garmisch (Bayern) sollte dicht bleiben. Nach starkem Schneefall in den vergangenen Tagen seien Oberleitungen durch umfallende Bäume zerstört worden, hieß es zur Begründung.

In der Schweiz dagegen war Andermatt im Kanton Uri wieder per Eisenbahn zu erreichen. Die Ausläufer des Sturms brachten der Schweiz bis Samstagmittag nochmals viel Schnee. Nach Angaben des Schweizer Fernsehens schneite es mit 39 Zentimetern in Arosa im Kanton Graubünden am meisten - dort sollen laut Prognosen am Montag vier Meter Schnee liegen. Auch im berühmten Skiort Davos kamen 28 Zentimeter hinzu. Die Lawinengefahr ist vielerorts groß.

"Die Verhältnisse für Schneesport außerhalb gesicherter Gebiete sind sehr kritisch", schrieb das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung. Stürme behinderten auch den Flugverkehr in Zürich, wo rund 50 Flüge annulliert werden mussten. In den Berner Alpen wurden Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 270 Kilometern pro Stunde gemessen.

Mehrere Menschen von Lawinen verschüttet

In Österreich wurde ein Skifahrer aus dem oberbayerischen Fürstenfeldbruck von einer Lawine mitgerissen. Der 33-Jährige überstand den Unfall unversehrt, sagte ein Sprecher der österreichischen Polizei. Der Mann war am Donnerstag bei Telfs in Tirol abseits der Piste gefahren und hatte dort einen Ski verloren.

Während er diesen suchte, löste ein 24 Jahre alter Wintersportler aus Innsbruck eine Lawine aus. Der Deutsche wurde von den Schneemassen rund 20 Meter weit mitgerissen und bis zum Rumpf verschüttet. Er blieb jedoch ebenso unverletzt wie der Innsbrucker. In der Region galt zum Unfallzeitpunkt Lawinenwarnstufe vier von fünf.

Glück im Unglück hatte auch eine Mutter mit ihren Kindern. Wie das Online-Magazin "heute.at" berichtet, wurden die Frau und ihre zwei Kinder am Freitagabend auf einem Parkplatz im Ortsteil Wirl in Galtür im Tiroler Bezirk Landeck von einer Lawine erfasst. Die Kinder blieben bei dem Unglück unverletzt, die Frau trug leichte Verletzungen davon.

Ein tödlicher Skiunfall ereignete sich am Freitagnachmittag in Maria Alm im Salzburger Pinzgau. "heute.at" berichtet von einem 42-jährigen Skifahrer, der bei schlechter Sicht von der Piste abgekommen und kopfüber in den Tiefschnee gestürzt sei. Da er sich offenbar nicht selbst wieder befreien konnte, erstickte der Mann in den Schneemassen. Skifahrer sollen nur die Skischuhe des 42-Jährigen entdeckt und diesen dann ausgegraben haben. Wiederbelebungsversuchen waren erfolglos, schreibt "heute.at".

Hohe Lawinengefahr in Bayern

Auch in Bayern ist die Lawinengefahr sehr hoch. In weiten Teilen der bayerischen Alpen wurde sie am Samstag mit der vierten von fünf Warnstufen eingestuft, wie der Lawinenwarndienst in München mitteilte. Vor allem bei Sonneneinstrahlung können sich kleine, mittlere und vereinzelt auch größere Lawinen selbst auslösen. Diese könnten "mitunter schon größere Reichweiten erreichen", hieß es weiter. Hangnahe Verkehrs- und Wanderwege könnten betroffen sein.

Warnstufe vier gilt für die Gebiete vom Allgäu bis zum Werdenfelser Land oberhalb der Waldgrenze. Auch im übrigen bayerischen Alpenraum ist die Lawinengefahr teils "erheblich" und könnte nach Einschätzung der Experten durch weitere, erwartete Schneefälle am Wochenende ebenfalls auf Warnstufe vier steigen.

Quelle: dapd , dpa , wetter.info

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