
04.02.2012, 15:45 Uhr
Feuerwehrtaucher suchen auf einem zugefrorenen See der Krickenbecker Seenplatte bei Nettetal nach einem eingebrochenen Schlittschuhläufer aus den Niederlanden. (Quelle: dpa)
Der strenge Frost hat Deutschland weiter fest im Griff. Vor allem in Bayern und Sachsen ist es mit Temperaturen deutlich unter minus 20 Grad flächendeckend eiskalt. Sieben Menschen sind in den vergangenen Tagen bereits erfroren, davon verunglückten zwei beim Schlittschuhlaufen. Und der frostige Winter lässt auch in der kommenden Woche nicht locker.
In der Nacht zum Samstag meldete die Wetterstation am Funtensee im Berchtesgardener Land Temperaturen von minus 36 Grad, sagte Andreas Wagner vom Wetterdienst Meteomedia im Gespräch mit wetter.info. Auch in den Skigebieten in den Mittelgebirgen herrscht bei einer bis zu 70 Zentimeter dicken Schneedecke extremer Frost, in Oberstdorf etwa wurden minus 27 Grad gemessen.
Auf vielen Inseln in Nord- und Ostsee hat es ebenfalls geschneit - das sei ungewöhnlich für die vergleichsweise milde Region, erklärte der Meteorologe. So lagen am Samstagmorgen sechs Zentimeter Schnee auf Rügen und Norderney und es schneit weiter. Ebenfalls selten: Auch die Niederlande liegen unter einer fünf bis zehn Zentimeter dichten Schneedecke, mancherorts lagen die Temperaturen deutlich unter minus 20 Grad.
Auch in den kommenden Tagen bleibe das Wetter klar, sonnig mit vereinzeltem Nebel, so der Meteorologe, und vor allem sehr kalt: Verbreitet fallen die Temperaturen auf minus zehn bis minus 18 Grad, über Schneeflächen auch minus 20 bis minus 25 Grad.
Der Dauerfrost und das ruhige, teils sonnige Wetter hält sich auch zu Beginn der kommenden Woche. Verbreitete Schneefälle sind weiterhin nicht zu erwarten, der Himmel bleibt weitgehend wolkenlos. In den Nächten muss mit strengem, gebietsweise sehr strengem Frost gerechnet werden. Mitte der Woche zieht dann von Norddeutschland ein neues Hochdruckgebiet heran und sorgt dafür, dass Deutschland bis Ende der kommenden Woche nicht wieder auftaut.
Das Winterwetter in Deutschland hat bereits sieben Menschen das Leben gekostet. So brach ein Schlittschuhläufer bei seiner Fahrt über einen zugefrorenen See in Nettetal ein und kam ums Leben. Die Rettungskräfte gaben die Hoffnung am Samstag auf und stellten die Suchaktion nach dem 43-jährigen Familienvater vorerst ein. Der Mann war am Freitag trotz Warnungen durch Schilder und einen Fußgänger auf die brüchige Eisfläche gestiegen. Nur die Mütze des Niederländers wurde im im eisigen Wasser entdeckt.
Auch im baden-württembergischen Obersontheim (Landkreis Schwäbisch Hall) brach ein Schlittschuhläufer auf einem See ins Eis ein und starb. Der Leichnam des Mannes wurde am Samstag geborgen, teilte die Polizei mit. Bei der Suche nach dem 58-Jährigen kamen Taucher und ein Polizeihubschrauber zum Einsatz.
Eine Spaziergängerin hatte am Freitagabend die Polizei alarmiert, als sie am Steinbruchsee zwischen Obersontheim und Markertshofen Straßenschuhe und eine Tasche entdeckte, aber den Besitzer nicht ausmachen konnte. Am Samstag entdeckten Taucher den Toten schließlich in vier Metern Tiefe auf dem Grund des Sees.
Meteorologen warnen vor dem Betreten von zugefrorenen Gewässern. "Es ist noch nicht lange genug kalt", warnte Wagner. Wer ins Eis einbreche, sei in "akuter Lebensgefahr", weil ihm im kalten Wasser nur wenige Minuten blieben, um sich zu retten.
Schon zuvor hatte es aufgrund der Eiseskälte Tote gegeben: In Sachsen-Anhalt starb ein 53 Jahre alter Mann. Dieser sei am Freitagmorgen von einer Zeugin tot in Großwirschleben bei Bernburg entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Wahrscheinlich war er betrunken mit seinem Fahrrad nach Hause gekommen, vor dem Eingang gestürzt und liegengeblieben, vermutet die Polizei. Sie geht nach derzeitigem Stand von einem Kältetod aus.
Am Donnerstag war bereits in Magdeburg ein Obdachloser auf einer Bank liegend erfroren. Ein weiteres Opfer war in Niedersachsen auf einem Feldweg tot neben seinem Rollator entdeckt worden. Am Montag erfror eine 55 Jahre alte Fußgängerin aus Brandenburg nach dem Sturz in einen Wassergraben.
Eine 73-jährige Frau kam am Mittwoch nahe Stendal beim Eisbaden ums Leben. Ein Spaziergänger habe bemerkt, wie die Frau aus einem nahegelegenen Ort im kalten Wasser eines Kiessees untergegangen war und habe die Rettungskräfte alarmiert, sagte ein Polizeisprecher. Rettungstaucher konnten die Frau erst knapp eineinhalb Stunden später bergen. Alle Versuche, sie wiederzubeleben, scheiterten.
Quelle: dpa , dapd , wetter.info
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